Walnuss&Astoria

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Archiv für Merkel

Tiefe Einblicke

 

„Sei gut und brav und treu und edel, mit einem Wort ein deutsches Mädel“ – schrieb mir einst eine Klassenkameradin in mein Poesiealbum. Und das in einer Zeit, als drei Schüsse auf Rudi Dutschke fielen. Fünfzig Jahre ist das jetzt her und höchste Zeit, um mal zu schauen, wie der Deutsche eigentlich so ist. Der SPIEGEL hats untersucht und mit dem Ergebnis, der durchschnittliche Deutsche ist ein bisschen bieder, ein bisschen brav, aber romantisch und pflegt seine Vorurteile, müssen wir jetzt leben.

Frau Merkel, meist nicht wirklich stilsicher bei der Wahl ihrer Kleidung, sondern eher quadratisch, praktisch, gut, überzeugte jetzt mit einem Dokoltee auf internationalem Parkett. Und schafft es damit, die Schlagzeilen zu bestimmen, ohje, was macht denn jetzt die SPD als Gegenschlag? Die armen, etwas moppsigen Herren der vorderen Reihen, da wirds schwer mit tiefen Einblicken.

Die Grünen von Hamburg heiraten die Schwarzen der Stadt, was für eine brisante Mischung, vielleicht ein früher Einblick in zukünftige politische Koalitionen für Deutschland, auch wenn Frau Merkel, diesmal hoch geschlossen, dies noch eifrig dementiert?

Auf webgegruesst kommentiert Cem Öncan und liefert damit Einblicke in das Hirn schizophrener Abzocker.

Deutschlands Vieltelefonierer wählen Benni aus der DSDS-Villa und beweisen damit, dass nichts vorhersehbar ist, ausser der Werdegang des DSDS-Siegers, denn der hats dann schwer, ein Star zu werden.

Der Papst nutzte seine Amerikareise, um sein Bedauern über Kindesmissbrauch durch katholische Priester dort auszudrücken. Klärungsbedürftige Vorgänge gibt es es aber immer weiter auch in der hiesigen Kirche, kaum eine Region Deutschland hat keinen Kinderschänder in einer ihrer Kirchengemeinde.

Aber erfreulich ist dann doch noch eine Erkenntnis der letzten Woche: In Zeiten, in denen jede vierte Familie laut Statistik unter die Armutsgrenze fällt, fängt die Deutsche Bank an zu sparen. In einer von April 2008 datierten Fassung ihrer Spesenrichtlinie für den Bereich Kommunikation und Soziale Verantwortung, in dem rund 800 Mitarbeiter arbeiten, heißt es: „Die Deutsche Bank billigt keinerlei Erwachsenen-Vergnügungen und wird solche Ausgaben nicht ersetzen.“  Also, keine Puffbesuche mehr, die durch unsere Kontoführungsgebühren oder ähnliches finanziert werden. So viel Umsicht und soziale Verantwortung hat man der Deutschen Bank doch wirklich nicht zugetraut, oder?

Und wie war eigentlich Deine Woche?

Nichts wird von alleine gut!

Castingdesaster aller Art

 

„Ich sprühs auf jede Wand, neue Männer braucht das Land …“ sang Ina Deter 1982 und 16 Jahre später sucht Deutschlands Kinokomödiant Nr. 1, Bully Herbig im Fernsehen nach starken Männern, 6 an der Zahl für seine Kinoverfilmung von „Wickie und die starken Männer“. Casting hin, Casting her … ruf für Deinen Lieblingskandidaten an, schallt es sowieso schon aus allen Kanälen.

 

Während bei Dieter Bohlen, Anja Look-hat-Jeder und dem Läster-Bär bereits die Endphase für Deutschlands Suche nach dem Superstar begonnen hat, frage ich mich, was machen eigentlich Alexander Klaws, Elli Erl, Tobias Regner und Mark Medlock gerade? Superstars sind sie alle nicht geworden, Schlag auf Schlag werden neue dazugefunden, brauchen wir wirklich so viele? Gestern flog mit passabler Leistung Collins raus, während eine stocksteife,  kindlich trotzige und stimmlich schwache Meerjungfrau Rania und der grenzwertige Teenieschwarm Bennie vom Publikum eine Runde weitergewählt wurden. Ja, Deutschland sucht und Deutschland kriegt ihre Superstars, demokratisch nennt das Dieter Bohlen, aber warum rufen so viele an und verlieren schon kurz nach dem Ende des Castingevents das Interesse an dem Sieger. Deutschland sucht, findet und vergisst seinen Superstar, also DSFUVSS – so sollte das Format heißen. Mir graut es so ganz nebenbei vor dem Gedanken, dass der schwarze Collins möglicherweise aus anderen Gründen als wegen seiner Leistung nicht genügend Anrufe bekam.

 

Bei SAT1 gabs 2003 mal Star Search, dessen Sieger, der „Kinnteufel“ Martin Kesici durfte nach einem bescheidenen Hit („Angel of Berlin“) wenigstens dieses Jahr bei Pro7 bei der unbeachteten Fasten-der-Stars-Reality-Doku mitmachen. Was für ein Fall eines Hardrockers? Bill Kaulitz flog in der Kinderabteilung seinerzeit kurz vor dem Finale raus, ist heute aber mit der Band Tokio Hotel ein Superstar. Ja, Deutschlands absurde Suche!

 

Ähnlich sieht es bei Popstars von Pro7 aus. Waren die „No Angels“ einst noch sehr erfolgreich, so verläuft die Karriere von „Bro’Sis“, „Melrose“ und „Room 2012“ dann eher bescheiden. „Go, Rossie, go“ durfte mal ins Dschungelcamp und Giovannis Frau darf aus Freaks einen Mann machen und die eigentlichen Stars sind eh die Juroren, Detlef D! zum Beispiel macht seither wirklich Kasse mit seinen Tanzworkshops und das ist doch auch schon was. Deutschlands Popstars eben.

 

Wußtet Ihr eigentlich, dass „Frauentausch“ in Wirklichkeit auch eine Castingshow ist? Dort kann man insgeheim die Super-Mami wählen, das kommt irgendwie immer zu kurz beim Blick auf genervte Ehemänner, unglückliche Kinder und ungeputzte Toiletten.

 

Dabei fällt mir ein, jetzt suchen wir ja auf mehreren Kanälen Musicalstars. Ob Tarzans oder Janes, ob mit oder ohne Katja Epstein in der Jury, wir suchen, suchen, suchen und deshalb finden wir auch nie. Da ändert auch ein Programmplatz im öffentlich-rechtlichen ZDF nichts, Quark bleibt Quark und Stars findet man nun mal nicht per Zuschauervoting, nicht in Deutschland. Stars macht man nicht aus Mitleid oder Sympathie, sondern die Starqualitäten und das Können sollte zählen. Da fällt mir ein, Deutsche konnten schon damals beim „Glücksrad“ nicht anders und gaben ihren schlechteren Mitkandidaten aus Mitleid einen Toaster oder eine Kaffeemaschine. Okay, okay, ich vote ab sofort dafür, dass alle Kandidaten in all den vielen Castingshows einen Toaster bekommen.

 

Und was ist sonst noch passiert? Frau Merkel bleibt dran am Dalai Lama und punktet weiter klammheimlich für sich, Herr Beck philosophiert einstweilen vom Lokomotivführer, dessen Zug man nur im Bahnhof wechseln kann, oh je, dann nächster Halt Zugwechsel bitte, wenn das sein Ernst ist.

 

War Joschka Fischer einst nach eigenen Worten „müde wie ein Dackel“, so erwacht der Dackelblick wieder, welcome back. Bei Herrn Niggemeier gibt es beschämende Einblicke in Lebenshilfesendungen, die Nachts kommen, wenn die Castingshows Sendepause haben. Wer sich kostenpflichtig verarschen lassen will, sollte dort mal anrufen, ansonsten ist das eher ein Fall für Aufsichtsgremien unserer Fernsehanstalten, ach halt, das gibt es für die Privaten ja nicht, aber da verhelfen ja die Zuschauer zur Quote, zum Anruf, zu Werbegeldern … Abschalten?! Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit Kultur, Shakespeare und Partner touren gerade durch Deutschland! Sehenswert und ohne Telefon zu geniessen!

 

Wie war eigentlich Deine Woche?

 

Nichts wird von alleine gut!

 

Ein Hoch auf Deinen Finger!

 

Was für eine Woche! Endlich gab’s den Fingerabdruck vom Schäuble ganz groß in der Zeitung, denn dieser Mann hat nichts zu verbergen. Ein Schildbürgerstreich vom Innenminister, denn den Abdruck gibt’s doch bereits in den Dateien des BKA, hat er doch seinerseits – bevor er das Parlament belog – den Koffer vom Schreiber angenommen und dabei ordentlich Abdrücke hinterlassen. Die Fingerabdruckfälschermafia wird sich sicherlich freuen, kann sie nun den Abdruck vom „über-den-Schreiber-gestolperten“ Innenminister meistbietend an Kleinkriminelle aller Art verkaufen. Vielleicht freuen sich gerade die Bochumer Autoknacker über solch prominenten Abdruck, machten sie doch in dieser Woche große Schlagzeilen als arbeitsintensivste Gruppe dieser Republik.

 

Und der Steinmeier ist jetzt auf Platz 1 der Beliebtheitsskala im ZDF gerutscht und hat von dort Frau Merkel verdrängt. Aber was hilft’s, wenn Deutschland ihn mag, in seinem Job brilliert die Kanzlerin so offensichtlich, dass man sich fragt, ob sie als Alt-DDRlerin vielleicht ein Nachholbedürfnis an Reisen hat. Und so die Selbstverwirklichung vor die Pflicht gesetzt wird, den einen oder anderen innenpolitischen Akzent zu setzen. Und war doch noch einer, der wollte so gerne Kanzler sein, das letzte Einhorn der SPD. Beck, komm raus, du bist umzingelt, nichts geht mehr, aber der Hund vom Beck, der ist klasse!

 

Statt der K-Frage gilt sowieso eher die O-Frage, Olympiade in Peking, ein schrecklicher Gedanke … moralisch wohl kaum vertretbar, ein Fest für den Sport an diesem Ort.

 

Holla, Du bist Deutschland und hast 200 Euro Schulden, das ist Dein Anteil am Bankenminus! Hast Du denn schon die Deutschlandcard? Gesponsert von der Deutschen Bank, die ja die Fäden in der Hand hat, wenn deutsche Banken die Bürger in die Pflicht nehmen, den unendlichen Minus-Mustopf auszulöffeln, in den börsenspielende Bankangestellte die ihnen anvertrauten Gelder reingewirtschaftet haben. Gottseidank ist noch Kohle da für triefende Werbesongs für die Deutschlandcard … wir sind Deutschland und sammeln Punkte. Germany, 0 Punkte, denn wir schicken keine Engel. Und die Merkel hat Ruh und isst für Deutschland in Peru.

 

Du bist Deutschland? Neeee, Du Tarzan, ich Jane … nur ein Synonym für den Wahn, Castingshow an Castingshow zu reihen und den Zuschauer zu motivieren, anzurufen. Ruf mich an … signalisieren die Kandidaten und „Bettina packt die Brüste ein“ … da lobe ich mir doch die Suche nach einem Wort, das mit …aus endet, sechs Leitungen gebe ich frei, ruf jetzt an, Du gewinnst garantiert … da ist wenigstens klar, das Nepper, Schlepper, Bauernfänger unterwegs sind. Und ein Biedermann, der Arges dabei denkt, denn die Jeanette lächelt dazu doch so nett. Einziger Lichtblick im Castingdschungel der Sender ist Thomas Godoj, der arbeitslose technische Zeichner, der dem fünften DSDS-Format zu seltenen Minuten voll authentischem Glanz verhilft.

 

Grimmepreisverdächtig blödelte Harald Schmidt diese Woche über den Metzger, das Chamaläon der CDU, äh … SPD, äh … der Zahnmedizinerlobby? Da wollen wir nicht nachstehen und legen noch einen drauf. Hat der Mann Zähne, gelle, und die zeigt er auch gerne, wenn er spricht. Hoffentlich benutzt er morgens Elmex und abends Aronal, damit er auch morgen noch herzhaft die Partei wechseln kann. Wer kann dazu schon „nein“ sagen, wenn einem so viel Wechselhaftes wiederfährt.

 

Darauf jetzt schnell noch einen gepanschten Vino aus bella Italia, denn da geht längst mehr rein, als wir bislang wussten. Den schlechten Geschmack kann nur noch der Koch toppen, der weitermachen darf, aller seiner Entgleisungen zum Trotz. Arme Hessen, da kriegt ihr viel Schmutz zu fressen.

 

Wie war eigentlich Deine Woche?

 

Nichts wird von alleine gut!