Walnuss&Astoria

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Archiv für Bully Herbig

Castingdesaster aller Art

 

„Ich sprühs auf jede Wand, neue Männer braucht das Land …“ sang Ina Deter 1982 und 16 Jahre später sucht Deutschlands Kinokomödiant Nr. 1, Bully Herbig im Fernsehen nach starken Männern, 6 an der Zahl für seine Kinoverfilmung von „Wickie und die starken Männer“. Casting hin, Casting her … ruf für Deinen Lieblingskandidaten an, schallt es sowieso schon aus allen Kanälen.

 

Während bei Dieter Bohlen, Anja Look-hat-Jeder und dem Läster-Bär bereits die Endphase für Deutschlands Suche nach dem Superstar begonnen hat, frage ich mich, was machen eigentlich Alexander Klaws, Elli Erl, Tobias Regner und Mark Medlock gerade? Superstars sind sie alle nicht geworden, Schlag auf Schlag werden neue dazugefunden, brauchen wir wirklich so viele? Gestern flog mit passabler Leistung Collins raus, während eine stocksteife,  kindlich trotzige und stimmlich schwache Meerjungfrau Rania und der grenzwertige Teenieschwarm Bennie vom Publikum eine Runde weitergewählt wurden. Ja, Deutschland sucht und Deutschland kriegt ihre Superstars, demokratisch nennt das Dieter Bohlen, aber warum rufen so viele an und verlieren schon kurz nach dem Ende des Castingevents das Interesse an dem Sieger. Deutschland sucht, findet und vergisst seinen Superstar, also DSFUVSS – so sollte das Format heißen. Mir graut es so ganz nebenbei vor dem Gedanken, dass der schwarze Collins möglicherweise aus anderen Gründen als wegen seiner Leistung nicht genügend Anrufe bekam.

 

Bei SAT1 gabs 2003 mal Star Search, dessen Sieger, der „Kinnteufel“ Martin Kesici durfte nach einem bescheidenen Hit („Angel of Berlin“) wenigstens dieses Jahr bei Pro7 bei der unbeachteten Fasten-der-Stars-Reality-Doku mitmachen. Was für ein Fall eines Hardrockers? Bill Kaulitz flog in der Kinderabteilung seinerzeit kurz vor dem Finale raus, ist heute aber mit der Band Tokio Hotel ein Superstar. Ja, Deutschlands absurde Suche!

 

Ähnlich sieht es bei Popstars von Pro7 aus. Waren die „No Angels“ einst noch sehr erfolgreich, so verläuft die Karriere von „Bro’Sis“, „Melrose“ und „Room 2012“ dann eher bescheiden. „Go, Rossie, go“ durfte mal ins Dschungelcamp und Giovannis Frau darf aus Freaks einen Mann machen und die eigentlichen Stars sind eh die Juroren, Detlef D! zum Beispiel macht seither wirklich Kasse mit seinen Tanzworkshops und das ist doch auch schon was. Deutschlands Popstars eben.

 

Wußtet Ihr eigentlich, dass „Frauentausch“ in Wirklichkeit auch eine Castingshow ist? Dort kann man insgeheim die Super-Mami wählen, das kommt irgendwie immer zu kurz beim Blick auf genervte Ehemänner, unglückliche Kinder und ungeputzte Toiletten.

 

Dabei fällt mir ein, jetzt suchen wir ja auf mehreren Kanälen Musicalstars. Ob Tarzans oder Janes, ob mit oder ohne Katja Epstein in der Jury, wir suchen, suchen, suchen und deshalb finden wir auch nie. Da ändert auch ein Programmplatz im öffentlich-rechtlichen ZDF nichts, Quark bleibt Quark und Stars findet man nun mal nicht per Zuschauervoting, nicht in Deutschland. Stars macht man nicht aus Mitleid oder Sympathie, sondern die Starqualitäten und das Können sollte zählen. Da fällt mir ein, Deutsche konnten schon damals beim „Glücksrad“ nicht anders und gaben ihren schlechteren Mitkandidaten aus Mitleid einen Toaster oder eine Kaffeemaschine. Okay, okay, ich vote ab sofort dafür, dass alle Kandidaten in all den vielen Castingshows einen Toaster bekommen.

 

Und was ist sonst noch passiert? Frau Merkel bleibt dran am Dalai Lama und punktet weiter klammheimlich für sich, Herr Beck philosophiert einstweilen vom Lokomotivführer, dessen Zug man nur im Bahnhof wechseln kann, oh je, dann nächster Halt Zugwechsel bitte, wenn das sein Ernst ist.

 

War Joschka Fischer einst nach eigenen Worten „müde wie ein Dackel“, so erwacht der Dackelblick wieder, welcome back. Bei Herrn Niggemeier gibt es beschämende Einblicke in Lebenshilfesendungen, die Nachts kommen, wenn die Castingshows Sendepause haben. Wer sich kostenpflichtig verarschen lassen will, sollte dort mal anrufen, ansonsten ist das eher ein Fall für Aufsichtsgremien unserer Fernsehanstalten, ach halt, das gibt es für die Privaten ja nicht, aber da verhelfen ja die Zuschauer zur Quote, zum Anruf, zu Werbegeldern … Abschalten?! Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit Kultur, Shakespeare und Partner touren gerade durch Deutschland! Sehenswert und ohne Telefon zu geniessen!

 

Wie war eigentlich Deine Woche?

 

Nichts wird von alleine gut!

 

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